Freitag, 11. März 2016

Ein ganzes Menschenleben

... hat manchmal in einem einzigen Gedicht Platz. Und manche haben einen festen Platz in einem Menschenleben. In meinem gilt Letzteres für "Alles!" von Antonia Keinz:


Alles!

Weite im Kopf
im Herzen Welten
die Füße auf der Erde
will ich in die Wolken

mein Unglück
unbeständig wie das Glück

werfen möchte ich mich 
in diesen Wandel
tanzen und reiten 
im Augenblick

könnten doch Alle, Alleallealle
glücklich sein!
In allen Welten, zu allen Zeiten
jahrtausend Universen lang

könnten doch alle
wie Nomaden wandern
wandernwandern
immer weiterziehen

Vogel werden
Himmel sein
schwimmend ein Meer
frei und offen für jeden

aber immer gehen wir schlafen
mit Gedanken an kommende Jahre
glauben alles, Allesallesalles
sei für immer so!

Was würde mir fehlen
ohne mein Leben?

Das Leben!
Alles!
Allesallesalles!

Könnten doch alle
sich wie Blütensamen
dem Wind anvertrauen
frei von morgen und gestern
wie Blitze in der Dunkelheit

den Himmel in der Tasche.


Eine Liebesgeschichte... Kapitel 24

Die Kirchturmuhr schlägt und ich gehe los. Betont langsam. Immer in der Sorge am Horizont könne eine rote Jacke vor mir auftauchen. Aber so ist es nicht.
Als ich durch den Park laufe, mache ich bewusst an den Baracken eine Pause und vertilge eine Banane. Mein Weg bis Santiago ist noch sehr weit, ich darf mich nicht in Träumereien von gestern verlieren! 

Bald ist Burgos Vergangenheit. Nun liegt die Meseta vor mir, die Kornkammer mit schier unendlichen Getreidefeldern. Fast zweihundert Kiometer lang soll das so gehen. Und viele Pilger überspringen diese Entfernung mit dem Überlandbus. Sie gehört aber für mich zu den beeindruckendsten Erfahrungen dieses Weges und gerade die Strecken in denen das Auge wenig Sehenswertes findet, lassen dem Geist Raum um zu arbeiten. Man findet Ruhe. Und zu sich. Sagt der kluge Wanderführer.



Überall stehen Pfützen, das Wetter ist wenig einladend. Am Himmel drohen Wolkenungetüme und mehr als einmal nieselt es. Mir ist alles recht. Hauptsache ich bin unterwegs. Mehr und mehr laufe ich mich frei ohne festes Etappenziel. Längst bin ich kein Greenhorn mehr. Und wie es kommt so ist es eben. Es wird sich alles finden. Irgendwie.
 
"Your heart ist full of love", hatte Guy mir noch gesagt, ich sei mir dessen nur nicht bewusst. Darüber denke ich nach. Meine Liebe gehört meinen Kindern. Und meinen Patienten hatte ich sie geschenkt. Auch meinem steinalten Kater. Nun ist alles anders. Haustier und Berufung (denn das war mein Job für mich) gibt es nicht mehr. Und Gefühle? Sie sind bestimmt da. Nur verschüttet. Doch wie könnte ich sie aus diesem tiefen Brunnenschacht hervorholen, in den man sie hinab geworfen hat um ihn danach mit Felsbrocken zu füllen? Ist es nicht sicherer, wenn sie bleiben, wo sie begraben wurden?

So flach und eben wie im Wanderführer angekündigt, ist die Strecke nicht ganz. Auch hier geht es Hügel hinauf und hinab. Und steinig ist der Weg sowieso.  Ein wenig hat die Landschaft von Ostfriesland: siebenachtel Himmel macht sie oft aus. Erst nach Stunden geht es mir besser. Fast ist es gut allein zu sein. Kein anderer Pilger ist zu sehen, als wäre nur ich auf dem Jakobsweg unterwegs. Wenn ab und zu die Sonne durch die Wolken bricht freue ich mich. Schaue irgendwann in die Ferne mit dem leisen Spruch: "Ich danke dir für diese schöne Welt und dafür, dass ich dieses Abenteuer erleben darf!"


 Ein wenig genieße ich gerade die leicht ansteigenden Temperaturen, da liegt ein Ort vor mir. "Hornillos del Camino". Hier werde ich noch mehrfach in verschiedenen Jahren nächtigen, ohne das zu diesem Zeitpunkt auch nur geringfügig in Erwägung zu ziehen. Staubig und verschlafen wirkt das Straßendorf. Doch siehe da, vor der Bar des Ortes steht aufgeregt winkend ein kleines, altes, schrumpeliges Männchen, in einem längst ausgedienten Jackett, das ihm so ungefähr bis in die Kniekehlen reicht. Und die Ärmel bis zu den Fingerspitzen. Ich muss ein leichtes Grinsen unterdrücken.

Aus dem spanischen Wortschwall höre ich so etwas wie Peregrina ( Pilgerin ) und Auberge (Herberge) heraus. Warum nicht? Es waren achtzehn Kilometer und das reicht mir im Grunde. Der Gnom ist begeistert, springt vor mir her und lotst mich zu einer Art Garage. Aha. Vielleicht sollte ich mir die Übernachtung doch noch einmal überlegen? Aber dann schäme ich mich auf der Stelle. Wie kann man denn als Pilgerin so überheblich sein?! Ich folge dem aufgeregten Hospitalero in die „komfortable“ Herbergsküche, erhalte meinen Stempel und er seinen wirklich schmalen Obulus. Am folgenden Morgen werden alle flüchten wenn ich die Gasflasche aufdrehe und ein Streichholz an die Lunte halte. Heißes Wasser wollen sie, aber nicht vorzeitig das Erdenrund in Richtung Wolken verlassen. Feigheit ist für mich ein Fremdwort (jedenfalls in Situationen wie diesen)… 

 
 Ist doch ein gelungenes Poggenpohl-Imitat, oder etwa nicht? Man kann es sich vermutlich nur schön trinken, wie den ganzen traurigen Rest der Herberge auch. Irgendwie hatte ich das alles doch schon einmal so ähnlich, den dicken Staub, die undefinierbaren klebrigen Lachen?! Da ich der erste Gast des Tages bin, darf ich mir ein Bett aussuchen. Wand, ganz hinten, ist immer am besten. Und abacho, logischerweise. Ich werfe mich auf die Gammelmatratze und falle praktisch sofort in einen Halbschlaf. In dem ich ständig den Geruch von Schafen in der Nase habe und lautes Blöken meine Gehörwindungen erreicht. Bestimmt ein Alptraum, was soll's.

Ich erwache von lauten Pilgern. Klar, rücksichtslos wie es die meisten nun einmal sind. Da ich bekleidet geschlafen habe, kann ich direkt aufstehen und entschließe mich, den örtlichen Tante-Emma-Laden, sprich die Tienda aufzusuchen. Siehe da, alles voller Schafsköddel an der linken Herbergsseite. Ich beherbergte einmal selbst einen dieser Woll-Lieferanten, die schwarzen Kugeln erkenne ich aus einhundert Metern Entfernung! Man halbiere seinen Stall und schon kann man doppelt melken. Schafe und Pilger. Warum auch nicht?! Irgendwie muss die Landbevölkerung schließlich zu Geld kommen. Das ist allemal besser, als wenn die Dörfer noch weiter aussterben und oft genug dem Verfall preisgegeben werden.

Thunfisch kann ich nun, in meiner dritten Woche unterwegs, nicht mehr wirklich sehen und gönne mir eine Alternative: Ölsardinen. Tomaten dazu und Bananen, na klar! Gerade sitze ich wieder auf meinem Bett, da betritt eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren hinkend den Raum. "Amina!"  Aufschrei und hochspringen sind eins. Wir umarmen uns. Sie hat es also von den Pyrenäen bis hierher geschafft. Tapferes Mädchen! Ich hatte es doch vorhergesagt! Sie geht auch einkaufen, danach sitzen wir draußen, aneinander gelehnt, wie Mutter und Tochter. "Erzähl!" "Nein, du zuerst!" So berichtet sie denn eine der Geschichten, wie sie wohl nur der Camino zu schreiben weiß. Der Weg, der alles fordert und doch so viel gibt!

Amina war verletzt, hatte große Schmerzen. Humpelte mühevoll an der Ausfallstraße von Burgos entlang. Verzweifelt, aufgelöst. Ohne Hoffnung. Da hielt ein Auto an dem eine ältere, kleine Spa-nierin entstieg. Sie konnten sich jedoch nicht verständigen, aber bei „Medico“ nickte Amina vorsichtshalber. Der empfahl: Klinik! Und dorthin brachte die alte Dame sie auch. Erklärte die Lage und der Patientin wortreich, sie würde für alles sorgen. Am Abend brachte sie Nachthemden und Süßigkeiten, Duschgel und Bodymilk in mehreren Variationen.

Drei volle Tage lang ging das so, dann hatte sich die Knochenhautentzündung leicht gebessert. Anderes Schuhwerk hatte man dringend empfohlen und schon standen verschiedene nagelneue Sportschuhe zur Auswahl vor dem Krankenbett. Als der Morgen des Abschieds kam zeigte die alte Dame auf einen Zettel in englischer Sprache. Der Enkel hatte für die Großmutter darauf geschrieben: "Leider habe ich kein Mädchen! Immer habe ich mir eines sehnlichst gewünscht. Doch es kamen nur Söhne. Nun bist du meine schöne Tochter!" 

Wir weinten vor Rührung. Ein Wunder? Es geschieht jeden Tag so etwas auf dem Weg. Ich erzählte von Guy. Alles. Auch, wie sehr ich ihn mochte. Und wie stark ich ihn nun vermisste. Wir weinten wieder. Und waren erstaunt, dass Aminas Flasche Rotwein plötzlich leer war. Ich entschied eine zweite zu spendieren und machte mich auf gen bekanntem „Feinkostgeschäft“. Hatte mir extra das Etikett der Flasche eingeprägt, um ja nichts Falsches anzuschleppen. Ich fragte nach „Vino tinto“ und erstarrte zur Salzsäule, als mein Blick der Kopfbewegung folgte. Die ganze linke Regalseite stand voll mit Flaschen dieser Art. „Rioja“, für ganze 65 Cents…

Als ich zurückkam traf ich auf Ulla, die Hospitalera aus der Casa Paderborn in Pamplona, die mich dort so lieb verarztet hatte. Wieder gab es ein großes "Hallo"! In der Abendsonne setzten wir uns auf den Platz vor der Kirche auf den Boden und warfen in die Mitte eine große Salatschüssel und was wir zu bieten hatten hinein. Tomaten, Thunfisch, Schafskäse, Gurken, Oliven, Ölsardinen. Irgendjemand hatte noch Weißbrot. 

Wir lachen, erzählen, essen und leeren den Wein. Plötzlich sind alle Pilger draußen, es wird gesungen und geklatscht in vielen Sprachen. Leuchtend steht die Abendsonne am Himmel und taucht die Landschaft in ein goldenes Licht. Das Leben ist schön! Arm in Arm sitze ich mit Amina und wir haben die Köpfe aneinander gelegt. "Ich habe dich sehr lieb" sagt sie und ich streichle ihr sanft über die dunklen, glänzenden Haare. Am Morgen will sie zurück nach Burgos, denn von dort fahren die Touringbusse, auch in Richtung Niederlande. Es hat keinen Zweck. Sie kann nicht mehr. So sagt sie.

Ich bitte sie weiterzugehen. Weil sie sich diesen Weg so sehr gewünscht hat, er für sie so wichtig ist. Sie könnte kurze Etappen gehen und das in aller Ruhe mit vielen Pausen, denke ich. Es sind ohnehin Semesterferien. Was ist schon Zeit, auf dem Jakobsweg?! "Ja", sagt sie. Sie wolle es wenigstens versuchen. Mir zuliebe. Und ich beschwöre sie noch einmal: "Wir sehen uns in Santiago! Am 25.Mai habe ich Geburtstag. Und vergiss nicht, du schaffst es! Du bist stark!" Dankbar nickt sie. Und bricht im Morgengrauen lange vor mir auf.

Glutrot erhebt sich die Sonne am Horizont.
Vor der Tür steht unschlüssig ein schöner, junger Mann.
Das Schicksal hat mir einen Engel mit schwarzen Augen geschickt...


Eine Liebesgeschichte... Kapitel 25 

Während ich in der Küche den Flammenwerfer zum Brennen bringe gesellt sich ein Pilger mit zwei Rucksäcken zu dem unschlüssigen jungen Mann. Den normalen trägt er wie alle auf dem Rücken und vor der Brust einen kleinen, der Würste enthält wie ich später herausfinde. Vom Weg hat er so einiges zu erzählen, denn er gibt das Herbergs-Infoheft der Paderborner Jakobusgesellschaft heraus, den berühmten „Schmidtke“. Die beiden kommen ins Gespräch.

Nachdem ich festgestellt habe, dass das Waschwasser eiskalt aus der Leitung kommt entschließe ich mich schlagartig zum Aufbruch. Die beiden Herren stehen mir allerdings dabei im Wege. "Wollt ihr nicht, oder könnt ihr nicht?" lästere ich frech. Sie lachen und brechen gemeinsam mit mir auf. Soso, Jochen ist also derjenige, dessen gesammelte Infowerke ich ausgedruckt bei mir trage. Und Sehad,  ist Pianist, Arrangeur eines bekannten Berliner Showorchesters und Sohn eines Ägypters und einer Armenierin. Er hat eine wundervolle Stimme und ist unglaublich höflich und leise. Bei hellem Licht besehen schätze ich ihn auf ca. 40 Jahre und das kommt auch ganz gut hin. Nach den Tagen allein unterwegs tut mir die Gesellschaft gut. Und schnell kommt San Bol in Sicht, optisch eine seltsame Mischung aus Moschee, Herberge und wer weiß was. Wir beschließen dort zu frühstücken. 


 Andere hatten die gleiche Idee und so findet sich um den großen Holztisch schnell eine lustige Runde zusammen. Der Spaß verstärkt sich, als wir feststellen, dass die bestellten Spiegeleier nicht in einer Pfanne, sondern praktischerweise direkt in der Wanne des Gasherdes gebacken werden. „It's spain!“ Und: "Nobody will believe this in Canada", denke ich und sehe zwei amüsierte graue Augen vor mir. Es gibt hier weder Strom noch fließendes Wasser und auch kein WC. Aber Freaks übernachten gern in dem stylischen Teil.  



Um die Mittagszeit erreichen wir "Hontanas", ein entzückendes Örtchen, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Käme ein Tempelritter um die Ecke geritten, so würde es mich nicht wundern. Leider liegt dieser Pilgertraum tief im Tal und entsprechend geht es auf der anderen Seite wieder steil nach oben. So viel zum Thema Ebene in der Meseta.

Nach weiteren Kilometern erhebt sich die Ruine von San Anton über der Straße, die mitten hindurch führt. Wir durchstreifen sie und sind beeindruckt. In zwei kleinen Nischen liegen viele Zettelchen mit Steinen beschwert und Bleistifte dazu. "Klaus ich laufe heute bis...", steht da z.B. Aber auch: "Ich bin verletzt und muss aufgeben, Mara". Unauffällig blättere ich schnell durch. Es könnte doch sein, dass vielleicht... Aber es ist nicht so. 

Die Herberge in "Castrojeriz" entpuppt sich als ehemalige Sporthalle, mit vielen Matratzen auf dem Boden. Hatte ich noch gar nicht, aber ich bin inzwischen sowas von flexibel... Schnell schiebt Sehad seine Matratze neben meine. "Ich schätze es nicht, neben Fremden zu liegen. Und außerdem möchte ich gern unsere Konversation fortführen!" Oha, das ist mal eine gepflegte Ausdrucksweise. So gehört sich das auch, mir gegenüber. Schließlich bin ich eine ältere Dame!

Das übliche Pilgerprogramm folgt. Dusche, Wäsche. Der Einkauf für den Abend erübrigt sich, denn meine Begleiter laden mich zum Essen ein. Jochen verschwindet rasch, er will vorher noch verschiedene Objekte abklappern wegen aktueller Infos und wird in jedem ein Bierchen trinken. Es sei ihm gegönnt, Prost! Sehad und ich sitzen vor der Halle in der Sonne und reden. Er erzählt mir sein Leben und fragt vieles. "Darf man auf dem Weg…? Wie würde Gott es finden, wenn...?" Ich bin irgendwie eine Art „Mentorin“ für ihn und genieße seine Gegenwart. Die Mädels schauen, aber er bleibt neben mir. Brav, Sohn!
Sehad strahlt eine ungeheure Lebensfreude aus, ist noch unbekümmert und hat Träume. Wie schön! Daheim wartet seine Verlobte, die er nach dem Camino heiraten möchte. Es wird bereits seine  dritte Ehe sein und offen berichtet er woran die anderen gescheitert sind.


 Um 17 Uhr öffnet die Tienda und wir bummeln dort hin wegen der Wegzehrung für den kommenden Tag. Schnell halte ich meine Bananen in der Hand und Thunfisch. Was auch sonst. Und dann sehe ich sie. Eine rosane Fleecejacke, hellgelb gefüttert (Ohhilfe – denke ich heute, 2016!). Während Sehad bedient wird fixiere ich sie. Hat sie wohl meine Größe? Aktuell: SE. Meint: „Small Elephant“. Es hilft nur zu fragen. Und dann halte ich sie in der Hand. Ich muss sie haben! Der Preis ist mehr als erschwinglich. Ich hüpfe regelrecht mit ihr zur Herberge zurück. Nie mehr schwarze Fleecejacke! Ich bin eine Frau und will jetzt auch so aussehen! Rosa war vor kurzem noch meine absolute Hassfarbe, aber jetzt... Wer weiß... In welchem Hotel man mit ihr Staat machen könnte. Und für wen...

Der Abend wird lustig. Das Essen schmeckt bestens, der gute Rotwein auch, denn Sehad weigert sich  Billigkram zu trinken und ordert zwei Markenflaschen, was wiederum für unseren Begleiter den nun überschüssigen Pilgerwein zur Vernichtung preis gibt.  Zum Dessert schenkt der Wirt große Gläser Likör ein und Jochen bestellt noch Absacker, die wir draußen nehmen. Für mich ist es „Batida de Coco“, da die Flasche appetitlich ausschaut. Ich habe mangels Erfahrung zwar nicht die geringste Ahnung was das ist, auf jeden Fall können wir danach wunderbar singen und vor allem laut. Es dauert nicht lange bis sich ringsum Fenster öffnen und ein wahrer Strom spanischer Flüche über uns ergießt. Wir verstehen leider rein gar nichts und erhöhen unsere Lautstärke, um den schrecklichen Lärm um uns her zu übertönen. 


 Kurz vor knapp erreichen wir drei untergehakt unser Matratzenlager. Bestens gelaunt entkleide ich mich und frage den riesigen Pilger neben mir: "Und wer bist du? Ich meine bloß, wenn wir schon eine gemeinsame Nacht Seite an Seite verbringen!" Er grinst. "Ich bin Peter und könnte mir keine nettere Pilgerin neben mir vorstellen!" So etwas sagt auch sein Weggefährte. Ach bitte mehr davon, langsam beginnt der Camino mir Spaß zu machen...

Kaum stecke ich im Schlafsack, geht schon das Licht aus. Ich habe zwei Männer auf der einen Seite und zwei auf der anderen und krieg‘ mich darüber gar nicht mehr ein. „Gute Nacht Jochen!" „Schlaf gut, Gabriele!" „Gute Nacht Sehad!" „Ja, wünsche ich dir auch!" „Gute Nacht Peter!" „Ebenso!" „Schlaf gut Hansi!" „Danke, du auch!" Gute Nacht John-Boy! Ach nein, das war ja ganz woanders...

Was Alkohol so anrichten kann bei älteren Pilgerinnen?! Tsss....
Jedenfalls schlafe ich bestens. Welch' angenehme Wendung!