Montag, 25. Juli 2016

Von den Häusern 2...


Was für seltsame Hausobjekte es doch zu kaufen gibt! Wie ich das meine? Nun, einige der bisherigen Objekte:


Wie man gut erkennen kann handelt es sich um einen ehemaligen Supermarkt. Verkaufsfläche 165 qm, Grundstück 1300 qm. Der  unschlagbare Preis: 19.000 €.


Dann war da das frühere Feuerwehrhaus an der Nordsee:


Neun Zimmer, zwei Küchen, ein Vollkeller, zwei Treppenhäuser usw., auf fast 300 qm Nutzfläche für auch noch günstige 29.000 €. Weitblick über den Deich inklusive.


Geht's noch billiger? Aber ja. Man sollte nur (sehr viel) Fantasie (und Geld) zum Ausbau mitbringen, des ehemaligen Schwimmbades von Clausthal - Zellerfeld:


Nutzfläche 810 qm, Preis: 10.000 € 


Oder lieber eine ehemalige Kirche / Kapelle. Die ist aktuell zu haben in Dassel:


Andachtsraum mit Empore plus Turm ca. 200 qm. Preis = Verhandlungsbasis.


Ein Zivilschutzbunker in Wilhelmshaven steht ebenfalls zum Verkauf:


Nutzfläche 1100 qm, Kaufpreis ganze 20.000 €, also fast nix auf den Quadratmeter umgerechnet. Aber...



Fast hätte ich das ehemalige Verwaltungsgebäude in Brunau vergessen:


Sieht gar nicht übel aus? Bietet auch etwas, nämlich 400 qm für durchaus erschwingliche 25.000 €. Der Haken an der Sache? Es war in den letzten Jahren eine Heuschreckenfarm darin untergebracht, mit hoher Luftfeuchtigkeit (plus feuchten Decken) und Millionen von Tierchen, ein paar davon sind noch vorhanden, daher der günstige Preis...



Dann waren da auch noch:

- der stillgelegte Bahnhof mit Gleisanschluss, 

- die ehemalige Großbäckerei in Brandenburg (von den Räumen her mein absoluter Favorit)

- eine Ex-Kneipe mit Wohnrecht für den Ex-Besitzer in einer der Wohnungen

- das Objekt mit Reetdach dem die Hälfte von eben jenem noch fehlt 

- das Haus wegen plötzlichem Todesfall (mit auch Besonderheiten wie z.B. kompletter Messie-Ausstattung)


Und wenn sie nicht gestorben sind, dann suchen sie noch heute... Oder haben vielleicht nun doch etwas gefunden? Auch ein Problemfall, wie zu erwarten war, wenn man sich die obige Preiskategorie anschaut. Dann auch noch die Ansprüche, wie ein dichtes Dach, bis ca. 100 km um die Seehafenstadt herum, eine gewisse Größe und wenn es geht auch noch in der Nähe von Wasser. Und Schiffen. Geht nicht anders.

Am Samstag (Vor)Besichtigung. Ob eine Verfahrensbeteiligung überhaupt Sinn machen würde. Die "Bezugsstadt" für z.B. Arztbesuche, Lebensmitteleinkäufe und Baumarkt: hässlich, mehr geht kaum noch. Aber ich hatte mich vorbereitet und mir einen youtube-Film angeschaut, ahnte also daher was uns erwartete. Der eigentliche Ort: ganz okay. Das Haus: eine Großbaustelle. Und schön nun wirklich nicht. Aber der Held bleibt optimistisch, als wir durch die Fenster schauen.


  
Wir schlendern durch benachbarte kleine Straßen, fotografieren nach rechts und links, auch von hinten. Rollos gehen hoch, man beobachtet uns. Toll für Asperger. Aber "flüchten" ist nicht. Der Kopf besiegt das Gefühl. Die Entscheidung fällt später daheim: Wir bewerben uns um das Haus und im August sehen wir es von innen. Danach folgt die nächste Runde. Vor Oktober wird keine Entscheidung für oder gegen uns fallen. Irgendwie eine Nervenzerreißprobe. Es hilft aber nichts. Da müssen wir nun durch. Wird es das neue Heim werden? Es wird geschehen wie es vorgesehen ist...




Ganz sicher ist das kein Traumhaus. Aber ich bin handwerklich begabt. 
Und es ist nicht mehr wie früher. Seit einem Jahr ist der Held in meinem Leben.
Er kann wirklich viel. Gemeinsam sind wir stark!






Dienstag, 19. Juli 2016

Von den Häusern...

Endlich, endlich erlebt auch der Nordwesten so etwas wie einen Sommertag und ich stürze förmlich hinaus auf die Terrasse (oder sollte ich besser sagen: den Balkon?), es gilt die Folgen dieses schier unendlich langen Winters zu beseitigen, umzutopfen, aufzuräumen, ein wenig zu gestalten. Das uralte Haus scheint mir mit halb geschlossenen Liedern dösend durch die Fenster zuzuschauen. Sicher freut es sich darüber, dass etwas Neues entsteht. 

Lange gab es hinten nur einen Hof. Und in den Jahrhunderten davor einen schmalen Wasserweg, der die Bauern und Händler aus dem Umland auf ihren flachen Booten in die nahe gelegene Innenstadt mit dem majestätischen Rathaus brachte. Die Bürger mögen dort schon auf Nachschub gewartet haben und zu Fuß oder per Pferdewagen wurden die Waren  ins ostfriesische weite Land verteilt. In meiner Straße (meinem Viertel) lebten damals  niederländische Kaufleute, denen es sicher nicht schlecht erging in der neuen Heimat, die sie wegen der Verfolgung in der alten hatten suchen müssen. So manche Ladung Torf mag direkt durch die Fenster der Kellerkökens schon einen Besitzer gefunden haben, viele Kleikartoffeln, etliches Gemüse, vielleicht auch Tuchwaren. Schließlich residierten unten im Souterrain die Frauen und sahen, wer oder was da direkt an ihrem Fenster vorbei stakte. Das in den Kanälen übliche "Treideln" ( also ziehen der Boote an Seilen, oft  genug auch von Frauen) war zwischen den Häuserzeilen unmöglich.

Meine Gedanken haben viel Zeit um zu wandern. In die Vergangenheit, als ich hier mit meinen Kindern lebte. Die Gegenwart, da der Held Einzug gehalten und die neue Terrasse gebaut hat, da die alte modernd zusammengebrochen war. Und in die Zukunft. Was wird sie uns bringen? Wird es in absehbarer Zeit ein neues Zuhause geben? Wann? Wo? Was alles wird sich ändern (müssen)? Ob das Haus etwas davon spürt? 

Quatsch, das sind doch nur Mauern, Steine, Balken, Sand. Tote Materie. Oder ist da doch mehr? So etwas wie eine Seele, die fast fünf Jahrhunderte überdauerte? Oder sind all' die Gedanken, Schritte, Sorgen und Zeiten des Glücks der zahllosen Bewohner von einst einfach dahin wie ein Lufthauch? Wird auch von mir und meiner Familie gar nichts bleiben? Das ist ein befremdlicher Gedanke. Seit fast drei Jahrzehnten gehört das Haus nun mir. Besser gesagt: Hat die Zeit es mir (aus)geliehen. Auf der Welt gehört uns gar nichts. Aller Besitz ist uns nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt, festzuhalten oder mitzunehmen ist uns am Ende unmöglich. Wir geben frei. Alles. Auch uns? Das wäre ein schöner, tröstlicher Gedanke. 

Freiheit für mich und das Haus, das wünsche ich mir. Wobei seine (hoffentlich) länger andauern wird als meine. Neue Familien werden einziehen. Andere Kinderfüße auf den alten Holzstufen nach oben rennen durch alle Etagen. Weihnachtsbäume werden leuchten. Menschen sich lieben. Vielleicht auch hassen. Wie wird es hier in den nächsten 465 Jahren werden? Existiert das Haus dann noch? Ach, was denke ich da... Dreht sich überhaupt die Erde so lange weiter? Die Menschen sind auf dem besten Weg alles von Grund auf zu zerstören und unbewohnbar zu machen. Werden sie lernen? Überhaupt begreifen was sie tun? Ich wünsche es mir sehr, angesichts der aktuellen Ereignisse in mehreren Teilen der Welt hege ich aber starke Zweifel daran...

Es ist mir nur möglich mich auf mich selbst und mein direktes Umwelt zu konzentrieren. Was wird werden? Wie oft habe ich mich das schon gefragt. Wenn wieder ein neuer Winter kam. Mit der schon so oft erlebten Kälte, den langen und dunklen Tagen. Bald bricht ein neuer an. Müssen wir auch den noch hier durchstehen? Oder gibt es Hoffnung? Wenn ich zu träumen wagen würde... Mal so ganz frei und mutig... Ja, was wäre dann? Wohin ginge ich? Was ließe ich alles los? 

Am Abend steht Nordportugal auf dem (Fernseh-)Programm. Eine Naturdoku soll es sein. Wir schauen sie uns an. Es ist, als kämen wir heim, wenigstens in den Bildern. Plötzlich sehe ich sie. Die berühmte Brücke in Porto über den Douro und von jetzt auf gleich strömen mir Tränen über die Wangen, wie die blaugrünen Wasser des Flusses in den Atlantik. Alle Geräusche und Gerüche sind präsent, die ständig unterdrückte Sehnsucht nach der geliebten Stadt steigt brachial auf... Der Held tröstet mich. Er versteht nur zu gut. Wir teilen die gleichen Erinnerungen:




                                                                  (Mai 2016)                                                                  

Ein Haus werden wir uns am Wochenende anschauen. Nein, es ist nicht schön. Die Stadt, in der es sich befindet, auch nicht. Mit der Region ist es nicht anders. Aber habe ich eine Wahl? Ansprüche sollte ich mir noch mehr abschminken. Was will man zu jenem Preis verlangen, der mein Limit ist? Dafür kauft man normalerweise ein Auto. Für den Helden wird es auch schwierig werden, falls... Wie werden wir eine Fernbeziehung leben? Wieder keine Antwort. Wieder etwas, das man (er)leben muss. Vorhin habe ich mir das Bild vom Objekt ausgedruckt. Der Himmel sieht darauf nun blauer aus, als zuvor auf dem Computer-Bildschirm. Die Ziegel erscheinen fast romantisch. 

Sicher kann man es sich dort mit der Zeit schön(er) machen. 
Vermutlich. Vielleicht. Oder auch nicht? Niemand kennt die Zukunft.
Aber hoffen kann man...