Donnerstag, 24. März 2016

Qué sará? Was wird sein?

Es ist ein merkwürdiger Spagat. Das alte Tagebuch des Caminos von 2007 zu lesen und auf den Rucksack zu schauen, der darauf wartet gepackt zu werden für den fünften Jakobsweg. Der so ganz anders werden wird als der damalige. Aus mehreren Gründen. Statt achthundert Kilometern warten ganze zweihundertsiebzig auf mich. Start ist in Portugal und nicht in Südfrankreich. Der Held wird an meiner Seite und ich somit vom ersten Schritt an nicht allein sein. Neun Jahre älter bin ich inzwischen geworden und mein Unfall 2013 in der Sierra Nevada steckt mir buchstäblich noch schmerzhaft in den Knochen. Mein Herz will nicht immer so wie es sollte.

Was wird sein?

An meinem Leben hänge ich nicht. Aber das Haus unfertig zurückzulassen und damit der Familie etwas kaum zu Bewältigendes aufzubürden, das belastet mich sehr! Was ich noch tun konnte habe ich versucht, z.B. tagelang im Windfang tapeziert, gestrichen, einen Schrank aufgebaut, ein schönes "WELCOME"-Schild (mal wieder UPCYCLING aus Resten) gestaltet. Falls wir zurückkehren wird mein Blick also auf einen schönen kleinen Raum fallen und nicht sofort auf unser gruseliges Bau-Chaos (in der Küche habe ich z.B. eine feuchte Fensterwand zur Abtrocknung geöffnet, den Putz abgeschlagen).




Mich nicht verabschieden zu können, das schmerzt noch viel mehr! Ein Pilgerweg ist kein Spaziergang. Wenn man weiß, dass man angeschlagen ist, schon gar nicht. Die aktuelle Terrorgefahr hat man auch im Hinterkopf. Es ist nicht gut für die Seele (und auch nicht für den Kopf), wenn wichtiges nicht abgeschlossen ist, nicht mehr gesagt werden kann. Aber das ist mir unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich. Diesen Schmerz werde ich mitnehmen. Bis in die Kathedrale von Santiago hinein, wenn ich sie denn erreiche.

Nimmt man seine Pilgerschaft ernst startet man mit dem Pilgersegen, bezahlt alle Schulden, macht sein Testament, so heißt es. Damit man frei im Kopf und offen im Herzen losgehen kann. Das wird dieses Mal nicht so sein. Ein absolutes Novum. Einen letzten Brief an die Familie (wie sonst immer) gibt es nicht. Kein erneuertes Testament. Was sollte ich denn auch schreiben? Ich liebe meine Kinder, das wissen sie. Und nichts könnte daran etwas ändern. Auch kein SCHWEIGEN. Mein Enkel wird an Karfreitag achtzehn Jahre alt. Er hat eine schriftliche Nachricht von mir erhalten. Wenigstens das. Aber eine wirkliche Umarmung ist das nicht, kann es gar nicht sein...

Qué sará? What will be? Es wird geschehen wie es sein soll.
Und so wird es richtig sein.




 

Kommentare:

  1. oh Gabriele

    gibt es "Ärger" in der Familie??
    Das täte mir sehr Leid..
    sind deine Kinder nicht damit einverstanden dass du gehst??Oder sind da noch andere unausgesprochende Dinge..(ich möchte nicht neugierig sein.. )
    da verstehe ich dein Zögern..
    aber du wirst nicht alleine sein.. jemand ist an deiner Seite..
    und wenn es dir wirklich nicht gut gehen sollte..dann brech ab..
    diesmal ist es wohl kein Gelübbde??

    Aber wenn schon keinen Brief an die Familie..schreib einen Brief an dich selber..
    schreib hinein was dich sorgt und bedrückt.. lege diesen Brief in ein kleines Kästchen und deponiere es irgendwo..
    wenn du heim kommst hol es ungeöffnet hervor und werfe es in die Tonne ;)
    wenn du nicht wiederkommen solltest (was ich aber überhaupt nicht denke ) dann wird es irgendwo vergessen bleiben
    das Haus sollte dich nicht belasten.. spiele die Situation in Gedanken einfach mal durch..
    Deine Kinder würden es wohl nicht behalten wollen..
    also was werden sie machen??Ich denke verkaufen und egal für welchen Preis..
    denn sie brauchen es ja sicher nicht

    Ich weiß dass es für einen Asperger sehr schwer ist sich nicht von Dingen runter ziehen zu lassen die ihm als bedrohlich erscheinen..
    da wo andere noch lachen bleibt es ihm buchstäblich in der Kehle stecken
    aber ich glaube dass deine Kinder doch etwas anders denken als du ..
    vertraue einfach darauf dass sie alles meistern werden..

    Dein Enkel war so stolz auf dich.. das liegt sicher noch in seinem Herzen..
    und bestimmt wird er an dich denken..

    ich würde dich gerne mal ganz feste drücken
    und tu es einfach in Gedanken..
    Schade dass du so weit weg bist..

    dein Schild ist wunderschön geworden.. ich liebe solche alten Dinge..

    alles Liebe
    Rosi

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  2. Dein Welcome-Schild ist sehr besonders. Nicht nur, daß es phantastisch aussieht - es steckt auch eine starke Symbolik darin. Verschiedene Schlösser und Schlüssel. Welcher Schlüssel paßt in welches Schloß ... gibt es für möglicherweise für ein Schloß gar keinen Schlüssel ...?
    Fragen, die dich sicher auf Deinem Pilgerweg begleiten werden. Wer weiß, vielleicht kannst Du beim Nachhausekommen die Schlösser mit dem richtigen Schlüssel öffnen.
    Es kommt wie es kommt - und es wird richtig so sein.
    Nochmals von Herzen alles Liebe und Gute
    Antje

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