Dienstag, 16. Februar 2016

Das war die Krönung...

Eine beiläufige Bleistiftskizze. So etwas kennt der Held inzwischen bei mir. "Was soll das werden?" Pause. Dann: "Och, nur so eine Bank..." Stirnrunzelnd: "Das ist doch total niedrig das Ding, wie soll man denn darauf sitzen?" Na, gar nicht. "Liegen!" Ihn wundert nichts mehr. "Und wie groß willst du die machen?" Ich schiebe ihm ein Holztablett hin, das ich mal in Winschoten/ NL in einem tollen Wohnladen preiswert ergattert hab', wegen kleiner Flecken und Kratzer. Also, die hatten da Möbel... wenn ich gekonnt hätte wäre ich da fotografierend rumstolziert, aber das ging nicht. So haben wir also nur mit den Augen "geknipst"...

Der Held hakt nach: "Wer oder was soll denn auf diesem Tablett liegen?" Männer... Vermutlich denkt er in diesem Moment an schön dekoriertes Essen in Form von Fleisch oder Wurst, grrr... Jetzt kommt meine Standardantwort, damit bin ich immer erst einmal aus der Schusslinie: "Das siehst du dann schon, wird unsere Weihnachtsdeko und die verrate ich noch nicht." Aha. Was ich hingegen äußere, ist eine Bitte: "Duuu, ich hab' mir schon ein Balkenstück abgesägt, aber du glaubst nicht wie lange ich dafür gebraucht hab', könntest du eventuell die drei anderen für mich..."

Er kann und will. Die kleinen Hände seiner Prinzessin sollen nicht verletzt werden. Die will er beschützen. Und quält sich mit den Sägearbeiten ab. Die Balkenstücke sind Teil meiner ehemaligen Terrasse und da bei uns (fast) nichts weggeworfen wird, wir lieber recyclen und upcyclen wollen als unbedarft neu zu kaufen, so verwenden wir immer zuerst was wir schon haben. Das spart Wege, Zeit und Geld, und schont die Umwelt. Spaß macht es außerdem!


Mit einem Werkzeug, das ich mal auf einem amerik. Blog entdeckt habe, fügt mein Held mir die Einzelteile zusammen, aus vier Eckstücken und Restleisten, die ich noch ausgebuddelt hab' - das sieht nun schon etwas mehr nach "Bank" aus:


Nun dübele und leime ich Kugelfüße darunter, die der Held mal in allerletzter Sekunde von einer entsorgten Kommode gerettet hatte, überlege mir schöne Verzierungen dazu und jetzt schaut das Teil schon so aus:







Nun folgt, wie ich immer arbeite, zuerst "Schokoglasur" als Grundlage:


Darüber die 1.Schicht Kreidefarbe (harmonisch zum Tablett gewählt):




Darüber ein schöner 2.Farbton als milder Kontrast, schleifen ohne Ende:




Nun der erste Wachsauftrags (rechts erkennt man den Unterschied):




Der zweite Wachsauftrag in dunkel (wieder rechts als Unterschied):




Über Nacht lasse ich die Schichten einwirken, bürste am Morgen gründlich und kraftvoll mit einer sehr "borstigen" Bürste auf, bis zum perfekten Seidenglanz:




Danach trage ich das fertige Teil nach unten zum ehemals selbst gebauten Tisch im Wohnzimmer (das ist der Raum mit den drei großen Sprossenfenstern), lege das Tablett auf (die Maße passen, alles richtig gemessen, welche Erleichterung!) und schleppe Deko an: Tannenzweige, Pinienzapfen, Glaskugeln, Pilze, die mir der Held gedrechselt hat, einen kl. Baumstumpf und Moos (vom Park mitgebracht, als dort erbarmungslos gefällt wurde). Dann lege ich "es" auf das weiche Bett und setze ihm ganz vorsichtig das zarte Krönchen auf (mein Erstlingswerk aus dünnem Draht und Glasperlen):



Jetzt darf der Held schauen, ist erstaunt, damit hat er nicht gerechnet. 
Er hätte nun 2 Prinzessinnen sagt er, eine davon bräuchte keine Krone...










Kommentare:

  1. ich bin platt..
    das ist dir ja super gelungen ..
    das arme Rehkitzlein tut mir aber doch Leid ..schniiief..
    bin da etwas zart besaitet ;)
    aber eine wunderschöne Deko
    liebe Grüße
    Rosi

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    1. So ein flaches Bänkchen mache ich sicher noch einmal, die sehen schön aus, finde ich und man kann damit gut auf Kommoden und Tischen dekorieren, oder Fensterbänken, mit den hochbeinigen Teilen ist das nicht immer so...
      Für das kleine Reh empfinde ich wie Du!
      Ich schaue es oft an und stehe traurig davor, auch wenn ich seine Geschichte nicht näher kenne. Es hat sich viele Jahre über in einer Schulausstellung als Lehrmaterial befunden und ich verstehe, dass man früher solche Anschauungsobjekte für die Schüler gebraucht hat. An Internet und Google war ja damals nicht zu denken...
      Trotzdem bleibt für mich ein Schmerz zurück.
      LG vom Meer

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  2. Liebe Gabriele, als allerallererstes fällt mir auf - du hast die Schriftfarbe gewechselt. Danke - ich seh doch so schlecht ☺ Was du immer alles so zauberst ist echt bewundernswert. Schöne Unikate aus Dingen die andere unbeachtet in den Ecken stapeln. Einfach toll.

    liebe grüße
    nicole

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    1. Hallo Nicole,
      Du "zauberst" ja auch!!
      Gerade, dass etwas aus Resten entsteht, ist für mich der Reiz. Andere Menschen würden es als Müll bezeichnen, für mich ist es sozusagen "Blei zu Gold", lächel...
      Liebe Grüße zu Dir und Deinen schönen Sachen

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  3. So, jetzt hab ich mich einmal komplett von Anfang an durch Dein Blog gelesen. Ich bin total fasziniert - von Deiner Geschichte und was Du alles so werkelst - und vor allem auch von deiner Einstellung! Mir geht es ähnlich wie Dir. Ich schau auch immer erst mal, was ich sowieso hab und und was man daraus machen könnte. Ich werde wiederkommen und bin ganz gespannt, wie Deine Geschichte und die Deines Hauses weitergehen wird ... und damit ich dich auch wieder finde, hab ich Dich gleich mal bei mir verlinkt.
    Liebe Grüße
    Antje von der Villa Lilla

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    1. So zu allererst mal: Dankeschön, für das große Lob!!
      Weißt Du, gerade mit der Geschichte aus meinem Leben habe ich mich zunächst wirklich schwergetan... Wen interessiert das? Passt das in ein Blog zum Thema "UPCYCLING"? Aber irgendwie gehört doch der Mensch zu den Dingen und man kann besser nachvollziehen warum es ist, wie es ist...
      Nun muss ich aber unbedingt (!) auch bei Dir schauen und Dich bei mir verlinken. Hoffentlich klappt das, ich hatte mir aufgeschrieben wie es geht, damit ich mich nicht blamiere! Aber die Werkstatt ist mir eindeutig sehr viel näher, als das Büro...

      Fühl Dich lieb gegrüßt, bis bald, bei Dir oder bei mir

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  4. Hallo du LIebe,
    ich bin jetzt auch wieder "Up to date" ;o) Ja, du hast es in einem der oberen Kommentare sowieso auch bereits gelesen - deine Schrift ist jetzt wirklich viel besser zu entziffern - DANKE! Das Tablett ist auch wieder eines deiner typischen wunderschönen Werke aus "Resten", super gelungen, und es wirkt mit dem Rehlein sehr märchenhaft. Mir geht es allerdings auch ein bisserl wie Rosi von der Rumpelkammer - bei präparierten Tieren werde ich immer traurig... Zwar denke ich mir in diesem Fall nicht, dass es getötet wurde, um es auzustopfen - vermutlich hat der Jäger (oder wer auch immer) das Kleine tot gefunden und wollte seine Hübschheit bewahren... aber auch das ist ja eine Geschichte, bei der einem die Tränen kommen könnten...
    Alles Liebe
    Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/02/a-new-life-2-uber-stoffliches-und-meine.html

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    1. Ja, Rosi,

      zum Thema "Reh" hab' ich schon oben bei Rosi geschrieben wie ich darüber denke. Das ist ein sehr zweischneidiges Thema für mich. Die Schulen sortieren ihr Lehrmaterial aus und was keine Interessenten findet, das landet schlicht in der Müllverbrennung. Was mir wiederum auch das Herz umdreht.
      Manchmal stehe ich am Tisch und schaue in dieses schmale und schöne (Tier)Gesicht, fühle mich von den ernsten Augen intensiv und fragend angeschaut, auch wenn sie nur aus Glas sind. Das Reh hat keine Löcher (Schusswunden), was mich etwas beruhigt. Aber ob es einfach so tot im Wald lag? Das möchte ich gern glauben, aber es fällt mir schwer.
      Mein Lieblingsnachbar (sonst ein toller Typ) ist leider Jäger. Und diese Spezies Mensch kann ich so gar nicht ab!!! Da ich aber (wenn auch wenig) Fleisch esse, bin ICH keinen Deut besser. Denn ich lasse andere Menschen die Tiere für mich töten, damit ich etwas davon essen kann.
      Ich verdränge das nicht, was den Opfern aber nichts hilft. Da habe ich eine sehr, sehr, sehr schwere Gewissensnot und will mich auch nicht herausreden. Ich trage Lederschuhe, -gürtel etc., schlafe unter einer Daunendecke. Alles mit dem Leid von Tieren erkauft. Davon kann ich mich nicht freisprechen.
      Aber gerade Du machst Dir ja auch viele Gedanken zum Thema Verantwortung. Danke dafür!!!
      Alles Liebe zu Dir und für Dich

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    2. Ich verstehe, was du meinst...
      Ich bin übrigens damit aufgewachsen, denn mein Vater war gelernter Fleischhauer (Metzger) und hat jahrelang in einem Schlachthof gearbeitet. Ich bin dort als Kind sogar ein paarmal gewesen (und einmal auf einem Esel geritten, der vermutlich auch zur Schlachtung vorgesehen war.) Ich habe die an Haken hängenden Rinder- und Schweinehälften gesehen, den Geruch wahrgenommen... Ich liebte Tiere (und mein Vater auch! Du hättest ihn mit dem Hund meines Bruders sehen sollen oder auf einem Bauernhof... Das war nun mal der Beruf, den er gelernt hatte, wie ihn auch sein Vater erlernt hatte... Mein Vater meinte, die Art des Tötens mit dem Schlachtschussapparat wäre schnell und human. Natürlich kann man auch darüber streiten ... und über die Tiertransporte ...) Aber ich habe meinen Vater geliebt und bewundert - und er hatte mir erklärt, dass das alles mit unserer Nahrung zu tun hat... Dass diese Arbeit, solange Menschen Fleisch essen wollen, getan werden muss... Und ich aß und esse immer noch gerne Wiener Schnitzel oder Gulasch oder Schweinebraten etc. Ob ich jemals ein dauerhaftes vegetarisches Leben führen könnte? Ich habe es mal ein paar Monate lang durchgehalten und scheiterte dann radikal an einer Leberkäsesemmel. Und mein Mann ist ein Fleischfresser durch und durch.
      Der österreichische Kabarettist und Umwelt-Denker Ronald Düringer hat vor ein paar Jahren begonnen, nur noch Fleisch von Tieren zu essen, die er selbst getötet hat. Vielleicht ist DAS ein Weg... Aber nicht, so lange ich noch nah bei der Stadt lebe und in der Stadt arbeite...
      Worauf ich hinaus will: Ich weiß also, woher das Fleisch kommt, das ich esse. Bilder aus dem Schlachthof würde ich mir dennoch nicht an die Wand hängen. Oder Fotos vom Delfine-Töten. Das präparierte Reh kann man mit solchen Bildern natürlich nicht vergleichen, dafür sieht es zu zauberhaft aus, aber die Gedanken, die es erzeugt, sind für mich ähnlich. Beides lässt traurig ans Sterben von Tieren denken... Dass du das Reh vor dem Müll-Werden bewahrt hast ist dann aber wieder eine andere Geschichte... Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie ich mich verhalten hätte, wenn man mir das Reh angeboten hätte - mit dem Hintergrundwissen, dass es sonst auf der Müllverbrennung landet.... Man kann sagen, du hast es zu KUNST gemacht!

      Danke für die Verlinkung deines neuesten Beitrages!
      Ganz liebe Rostrosengrüße von der Traude
      http://rostrose.blogspot.co.at/2016/02/schrankmonster-unter-sich.html

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  5. PS: Deine Verlinkungen haben toll geklappt - und du weißt ja, weitere werden immer wieder gern genommen! :o)

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    1. Oh je,

      mein neuester Eintrag "Leichtes Gepäck" würde gut zum Thema passen. Aber jetzt habe ich wieder das Problem mit den Verlinkungen! Ich versuch's gleich mal, seufz...
      Und wünsche Dir gaaaanz viele Beiträge!!

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